Das Logbuch ist dein wichtigstes Dokument auf dem Weg zum Schweizer Hochseeschein. Es ist nicht nur eine bürokratische Pflicht, sondern dein persönlicher Nachweis über gesammelte Erfahrungen, Seemeilen und nautische Fähigkeiten. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dein Logbuch korrekt führst, welche Informationen du dokumentieren musst und wie du häufige Fehler vermeidest.
Warum ist das Logbuch so wichtig?
Das Logbuch ist dein offizieller Nachweis für die Ausstellung des Schweizer Hochseescheins. Ohne korrekt geführtes Logbuch kannst du deine gesammelten Seemeilen nicht nachweisen – und ohne Nachweis gibt es keinen Hochseeschein. So einfach ist das.
Aber das Logbuch ist mehr als nur ein Formular für die Behörde. Es ist deine persönliche Chronik deiner Segelreisen. Jahre später wirst du darin blättern und dich an besondere Momente erinnern: den ersten Törn, die erste Nachtfahrt, den Sturm vor den Kykladen, die Mitternachtssonne in den Lofoten. Das Logbuch dokumentiert deine Entwicklung vom Anfänger zum erfahrenen Skipper.
Was muss ins Logbuch? Die Pflichtangaben
Für den Schweizer Hochseeschein musst du folgende Informationen in deinem Logbuch dokumentieren:
1. Persönliche Daten
Jedes Logbuch beginnt mit deinen persönlichen Angaben. Trage auf der ersten Seite ein: Vollständiger Name (wie im Pass), Geburtsdatum, Adresse, Segelschein-Nummer (Segelschein D oder gleichwertig) und Kontaktdaten (optional, aber empfohlen).
Diese Angaben identifizieren dich eindeutig als Inhaber des Logbuchs. Achte darauf, dass dein Name exakt so geschrieben ist wie auf deinem Segelschein – Abweichungen können bei der Prüfung zu Problemen führen.
2. Törn-Informationen
Für jeden Törn dokumentierst du folgende Basisdaten: Datum (Von-bis mit Tag, Monat, Jahr), Yacht-Name (offizieller Name des Schiffes), Yacht-Typ (Segelschiff oder Motorschiff), Länge (Länge über alles in Metern), Heimathafen (Registrierungshafen der Yacht) und Revier (Segelgebiet).
Diese Informationen findest du in den Schiffspapieren oder erfährst sie vom Skipper. Notiere sie am besten am ersten Tag des Törns, damit du nichts vergisst.
3. Route und Seemeilen
Das Herzstück deines Logbuchs ist die Dokumentation deiner Route und der gesegelten Seemeilen. Starthafen und Zielhafen jedes Törn-Abschnitts müssen eindeutig dokumentiert sein. Schreibe nicht nur "Griechenland", sondern konkret "Athen (Alimos Marina) → Kythnos → Serifos → Sifnos → Milos → Athen (Alimos Marina)".
Seemeilen werden pro Törn-Abschnitt oder pro Tag dokumentiert. Die Gesamtzahl der Seemeilen muss am Ende jedes Törns summiert werden. Wichtig: Es zählen nur die tatsächlich gesegelten Seemeilen, nicht die Luftlinie zwischen Start und Ziel.
Beispiel-Eintrag:
4. Tätigkeiten an Bord
Für den Hochseeschein musst du nachweisen, dass du nicht nur als Passagier mitgefahren bist, sondern aktiv an Bord gearbeitet hast. Dokumentiere daher deine Tätigkeiten: Navigation (Kursplanung, Kartenarbeit, elektronische Navigation), Rudergang (Stunden am Steuer, Tag und Nacht), Segelmanöver (Wenden, Halsen, Reffen, Segelwechsel), Hafenmanöver (An- und Ablegen, Ankern), Wachführung (Verantwortung für Wache übernommen) und besondere Situationen (Starkwind, Nachtfahrt, Nebel, Gezeiten).
Je detaillierter du deine Tätigkeiten dokumentierst, desto besser. Schreibe nicht nur "Rudergang", sondern "Rudergang 4 Stunden (14:00-18:00 Uhr), davon 2 Stunden bei Starkwind 6 Bft".
5. Skipper-Bestätigung
Jeder Törn-Eintrag muss vom verantwortlichen Skipper unterschrieben und gestempelt werden. Die Skipper-Bestätigung enthält: Name des Skippers, Skipper-Lizenz (z.B. "RYA Yachtmaster Offshore"), Unterschrift, Datum und Stempel (falls vorhanden).
Ohne Skipper-Bestätigung ist dein Logbuch-Eintrag ungültig. Achte darauf, dass der Skipper am Ende jedes Törns dein Logbuch unterschreibt – nachträglich ist das oft schwierig oder unmöglich.
Die häufigsten Fehler beim Logbuch-Führen
Fehler 1: Unvollständige Einträge
Viele Segler vergessen wichtige Angaben oder lassen Felder leer. Das Problem: Bei der Prüfung können unvollständige Einträge nicht anerkannt werden. Du verlierst dann die Seemeilen dieses Törns.
Lösung: Fülle dein Logbuch täglich aus, nicht erst am Ende des Törns. So vergisst du nichts und kannst bei Unklarheiten den Skipper fragen.
Fehler 2: Unleserliche Handschrift
Wenn die Prüfer deine Handschrift nicht lesen können, können sie die Einträge nicht überprüfen. Im schlimmsten Fall werden unleserliche Einträge nicht anerkannt.
Lösung: Schreibe langsam und deutlich. Verwende einen wasserfesten Stift (Kugelschreiber oder Fineliner, kein Bleistift). Wenn deine Handschrift wirklich unleserlich ist, führe dein Logbuch digital und drucke es aus.
Fehler 3: Fehlende Skipper-Unterschrift
Ohne Skipper-Unterschrift ist dein Logbuch-Eintrag wertlos. Viele Segler vergessen, das Logbuch am Ende des Törns unterschreiben zu lassen – und haben dann keine Möglichkeit mehr, den Skipper zu erreichen.
Lösung: Lass dein Logbuch am letzten Tag des Törns unterschreiben, bevor ihr auseinander geht. Mache am besten auch ein Foto der unterschriebenen Seite als Backup.
Praktische Tipps für dein Logbuch
Tipp 1: Fotografiere jede Seite. Mache nach jedem Törn ein Foto jeder ausgefüllten Logbuch-Seite. Speichere die Fotos in der Cloud (Google Drive, Dropbox). So hast du ein Backup, falls dein Logbuch verloren geht oder beschädigt wird.
Tipp 2: Notiere besondere Erlebnisse. Dein Logbuch ist nicht nur ein Formular, sondern deine persönliche Chronik. Notiere besondere Momente: den ersten Delfin, die erste Nachtfahrt, den Sturm, die schönste Ankerbucht. Diese Notizen machen dein Logbuch lebendig und helfen dir, dich später zu erinnern.
Tipp 3: Sammle Belege. Hefte zusätzliche Belege in dein Logbuch ein: Hafenquittungen, Fotos, Wetterkarten, Seekarten-Ausschnitte. Diese Belege sind zwar nicht Pflicht, aber sie untermauern deine Einträge und zeigen den Prüfern, dass du wirklich dort warst.
Tipp 4: Führe eine Seemeilen-Übersicht. Erstelle eine separate Übersicht, in der du alle Törns mit Datum, Revier und Seemeilen auflistest. So hast du jederzeit einen Überblick, wie viele Seemeilen du bereits gesammelt hast und wie viele noch fehlen.
Tipp 5: Lass dein Logbuch vor der Einreichung prüfen. Bevor du dein Logbuch bei der Prüfungsstelle einreichst, lass es von einem erfahrenen Segler oder Ausbildungsskipper prüfen. Er kann dir sagen, ob alle Angaben vollständig und korrekt sind und ob etwas fehlt.
Fazit: Sorgfalt zahlt sich aus
Das Logbuch ist dein wichtigstes Dokument auf dem Weg zum Hochseeschein. Führe es sorgfältig, vollständig und ehrlich. Lass jeden Törn vom Skipper unterschreiben und mache Fotos als Backup. Mit einem korrekt geführten Logbuch steht deinem Hochseeschein nichts mehr im Weg.
Und vergiss nicht: Das Logbuch ist mehr als nur ein Formular. Es ist deine persönliche Chronik, dein Nachweis über hunderte von Stunden auf See, über Stürme und Sonnentage, über Herausforderungen und Erfolge. Jahre später wirst du darin blättern und stolz auf das sein, was du erreicht hast.
Also: Nimm dir Zeit für dein Logbuch. Es ist die Mühe wert!
Über den Autor:
Peter Tepe ist RYA Yachtmaster und seit 2022 als Ausbildungsskipper für SeeMeilen.com tätig. Er hat über 100 Törns in verschiedenen Revieren durchgeführt und begleitet Segler auf ihrem Weg zum Hochseeschein. Seine Spezialgebiete sind Gezeitennavigation, Starkwindtraining und praxisorientierte Ausbildung in anspruchsvollen Revieren.